Dachdecker führen ein sehr traditionelles Handwerk aus. Gleichzeitig beeinflussen neue Techniken sowie Vorschriften diese Branche regelmäßig. Ganz aktuell sind der erhöhte Sanierungsbedarf sowie die verstärkte Nachfrage von Dachgeschossausbauten. Der gesteigerte Bedarf an Dachrenovierungen ist auch auf die geänderten EU-Regulierungen zurückzuführen, die höhere Ansprüche an die Energieeffizienz von Gebäuden stellen, wovon auch Dächer betroffen sind.
Arbeitssicherheit für Dachdeckerbetriebe
Die Sicherheit bei der Arbeit auf dem Dach spielt eine zentrale Rolle im Alltag. Der Fachausschuss Arbeits- und Unfallschutz hat sich dem Thema angenommen und gemeinsam mit der Innung Hessen einen Ordner zusammengestellt. Dieser „Sicher auf dem Dach“ Ordner enthält eine Zusammenstellung von Maßnahmen, die den Arbeitsschutz von Dachdeckern betreffen. Die Zusammenstellung basiert sowohl auf den staatlichen Vorgaben als auch den berufsgenossenschaftlichen Leitsätzen. Ein solcher Ordner bildet eine gute Grundlage als Fachlektüre im eigenen Unternehmen und hilft bei der Umsetzung von aktuellen Arbeitsschutzmaßnahmen.
Neu für die Branche ist auch die App digitGB, die von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft erstellt wurde. Diese App ist für die Verwaltung von Baustellen konzipiert und stellt einen Plan zur Gefährdungsbeurteilung bereit. So lässt sich Schritt für Schritt die Baustelle beurteilen und die App gibt die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen vor. Die App ist für unterschiedliche Gewerke verfügbar und beinhaltet ebenfalls eine Gefahrenbeurteilung speziell für Dachdecker.
Richtlinien für Steil- und Flachdächer
Zum Grundwissen für Dachdecker gehören die Richtlinien für Steil- und Flachdächer. Diese werden vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) herausgegeben. Sie sind ergänzend zu den DIN-Normen zu beachten.

Jeder Dachdeckerbetrieb benötigt also eine aktuelle Fassung dieser Richtlinien. An beiden Vorgaben werden regelmäßig Veränderungen vorgenommen. So wurde die Flachdachrichtlinie zunächst 2019 und 2020 erweitert, bevor im August 2025 eine vollständige Neufassung erschien. In den Vorgaben sind außerdem hilfreiche Skizzen vorhanden, mit denen die Umsetzung von aktuellen Bauvorgaben in der Praxis möglich ist.
Bei Flachdächern gilt weiterhin die Abdichtungsnorm DIN 18531. Die aktualisierte Flachdachrichtlinie legt unter anderem fest, dass ein Mindestgefälle von zwei Prozent eingehalten werden soll. Nur mit einer Begründung ist es möglich, dieses Gefälle zu unterschreiten. Durch die Vorgabe eines Mindestgefälles soll gewährleistet werden, dass keinerlei Staunässe auf dem Flachdach für Beschädigungen der Bausubstanz sorgt.
Regelwerk für normgerechte Dachränder
Die genauen Vorschriften für Dachränder sind in der DIN 18531-1 „Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen“ festgehalten. Darüber hinaus gibt der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) Fachregeln für Abdichtungen und für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk heraus. Bei diesen Normen und Regeln kam es in den vergangenen Jahren zu einer Vielzahl an Veränderungen und Neuerungen. Für Dachdecker ist es wichtig, sich mit diesen Veränderungen zu befassen und so immer auf dem aktuellen Stand zu sein, was die Bauvorschriften betrifft.
Die technischen Vorschriften regeln unter anderem Situationen, in denen unterschiedliche Materialien aufeinandertreffen. Gerade bei Dachrenovierungen treten solche Szenarien recht häufig auf. Durch präzise Vorgaben und die genaue Umsetzung dieser lassen sich Folgeschäden vermeiden. Die Einhaltung der Normen ist für Dachdecker wichtig, um spätere Mängelanzeigen aufgrund nicht eingehaltener, geltender Bauvorgaben zu vermeiden.
Die Änderungen in den vergangenen Jahren haben auch Unstimmigkeiten zwischen Vorgaben verschiedener Branchen beseitigt. Beispielsweise gab es bei den Tropfkantenabständen Abweichungen zur Klempnernorm DIN 18339. Diese wurden bei der Vereinheitlichung 2017 synchronisiert.

Inzwischen ist der Dachdecker auch in der Nachweispflicht, was Statik und Berechnung betrifft. Bei der Erstellung von Dachrandprofilen und Dachrandabdeckungen gilt es, die erforderliche Halteranzahl präzise zu kalkulieren. Die technischen Vorschriften finden sich in den Hinweisen zur Lastermittlung der ZVDH oder in der Tabelle 27 der ZVSHK-Klempnerfachregel für die Bemessungswindsoglasten. Dachdecker sind dafür verantwortlich, die Berechnungsgrundlage im Einzelfall nachzuweisen. Gleiches gilt für statische Nachweise für alle Arbeiten, die unter die Fachregeln für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk fallen. Nachweisdokumente sind in diesem Fall vorgeschrieben, was unter Umständen zusätzliche Dienstleistungen eines Statikers erfordert.
Für Dachdecker ist es wichtig, die aktuellen Regelungen zu kennen und auch entsprechend umzusetzen. So lassen sich Baumängel verhindern, die im Nachhinein teuer werden können und auch den eigenen Ruf beeinträchtigen.
Vorteile der Digitalisierung im Dachdeckerbereich
Die Digitalisierung verändert auch ein so handwerklich geprägtes Metier wie die Dachdeckerbranche. Dabei fungiert die digitale Technik in erster Linie als sinnvoller Helfer, der Arbeitszeit spart oder dabei hilft, das vorhandene Material effektiver einzusetzen.
Ein gutes Beispiel für die digitale Innovation im Dachdeckerbereich ist der Einsatz von Drohnen für die Inspektion von Dächern. Die Bestandsaufnahme gehört bei der Sanierung von Dächern zu den ersten Aufgaben. Mit einer Drohne lässt sich dies schnell und sicher vom Boden aus erledigen. Gerade bei hohen Gebäuden und schwer zu inspizierenden Dächern ist dies eine enorme Erleichterung, die oftmals den Aufbau eines Gerüsts erspart. Die Drohne kann jeden Winkel des Dachs erreichen und speichert die Aufnahmen in digitaler Form, was eine spätere Auswertung am Computer erlaubt.

Wichtig zu wissen ist, dass seit Anfang 2021 ein EU-Drohnenführerschein benötigt wird, um ein solches Fluggerät zu operieren. Dachdecker, die auf solche Technik zurückgreifen wollen, benötigen in den meisten Fällen den großen EU-Drohnenführerschein. Dieser berechtigt es, Drohnen in einem Abstand von unter 150 Metern zu Wohn-, Gewerbe- und Industriegebäuden zu operieren. Mit dem großen EU-Drohnenführerschein ist außerdem die Gewichtsbeschränkung von 500 Gramm aufgehoben und es dürfen Fluggeräte bis zu einem Gesamtgewicht von vier Kilo eingesetzt werden.
Die Digitalisierung schreitet darüber hinaus im Büro voran. Speziell für Dachdecker konzipierte Software für die Materialberechnung optimiert die Kalkulation von Baustoffen. Darüber hinaus setzt sich auch die rein digitale Bauaktenführung immer weiter durch. Viele dieser Softwaresysteme setzen auf die Cloud und sind somit auch mobil verfügbar. Gerade für Dachdecker ist dies hilfreich, denn dann stehen die Daten auch vor Ort beim Kunden zur Verfügung und Änderungen lassen sich direkt vornehmen. Es wird lediglich ein Laptop oder sogar nur ein Tablet auf der Baustelle benötigt. Somit ist die gesamte Bauplanung von der Bestandsaufnahme bis zur Rechnungsstellung digitalisiert, was Fehlerquellen mindert und die Zettelwirtschaft abschafft.
Bedingt durch Wohnungsmangel: Dachgeschossausbau als Trend
In jüngerer Vergangenheit hat der Wohnungsmangel in den Städten zugenommen. Die dadurch entstandenen Mietsteigerungen haben dafür gesorgt, dass die Suche nach alternativem Wohnraum immer dringlicher wurde. Gleichzeitig sorgt dies auch dafür, dass Investitionen in den Aus- und Umbau bestehender Immobilien sinnvoll ist.
Eine solche Maßnahme, die immer öfter vollzogen wird, ist der Umbau von Häusern mit Flachdach auf ein Schrägdach. Auf diese Weise entsteht ein neues Dachgeschoss, das nutzbaren Wohnraum bereitstellt. Für Dachdecker in urbanen Bereichen kommen also vermehrt Aufgaben hinzu, bei denen es um das Eindecken neuer Konstruktionen auf bestehenden Bauwerken geht.
Dachdecker und neue Energien
Dass auf Hausdächern Solarpanele befestigt werden, ist für die Zunft der Dachdecker inzwischen gelebter Alltag. Allerdings steht die Entwicklung nicht still. So sind inzwischen Dachpfannen verfügbar, die selbst elektrische Energie aus Sonnenlicht erzeugen. Allerdings erfordern diese Solardachpfannen ein besonderes Verlegesystem und müssen individuell miteinander verbunden werden, damit eine komplexe Anlage entsteht. Für zukunftsorientierte Dachdeckerunternehmen ist es deshalb unverzichtbar, Fachmessen zu besuchen und an Schulungen teilzunehmen, damit diese technischen Innovationen auch fachgerecht installiert werden können.