Das Prinzip „Take – Make – Dispose” der heute noch vorherrschenden linearen Ökonomie ist nicht zukunftsfähig. Der Bausektor verursacht rund 40 % des globalen Treibhausgasausstoßes und 60 % des Abfallaufkommens und zählt somit zu den größten Umweltverschmutzern. Aus Gründen des Ressourcen- und Klimaschutzes ist der Umstieg auf kreislaufwirtschaftliche Prozesse alternativlos.

Das Bauen muss dringend ressourceneffizienter werden. Kies, Sand und Schotter werden knapp und teurer. Gebäude, Bauteile und Materialien müssen also möglichst weitergenutzt, umgenutzt oder selektiv und werterhaltend zurückgebaut werden. Durch Rückbau und Wiederverwendung wird die Graue Energie, die schon in den Bauteilen steckt, weitergenutzt und eine Neuproduktion von Material überflüssig.

17 Prozent davon waren weniger als 43 Jahre alt und mussten neuen Wohngebäuden weichen.
Die Materialknappheit durch versiegende Ressourcen führt zur Erhöhung von Beschaffungs- und Transportkosten, was wiederum den CO2-Ausstoß erhöht. Es gibt zwar fast überall in Deutschland Kies- und Sandgruben, aber viele Abbaustätten erschöpfen sich nach einigen Jahren und neue Genehmigungen werden seltener erteilt. Das hat auch Folgen für den Hausbau: Die Kosten für eine Tonne Beton sind dramatisch gestiegen.
Wege aus der Rohstoffknappheit
Eine mögliche Antwort auf die Rohstoffknappheit ist Baustoff-Recycling. Statt Bauschutt zu deponieren, wird er aufbereitet und als Baustoff wiederverwendet. Während des Aufbereitungsprozesses wird das Material auf Fremd- und Schadstoffe geprüft und anschließend zertifiziert. Es gibt sogar Recycling-Zement. Der energieintensive Zementklinker in herkömmlichem Zement wird durch aufbereiteten Bauschutt ersetzt. Das Endprodukt erfüllt die gleichen Qualitätsstandards wie herkömmlicher Zement und ist nicht teurer.
Nur ein Bruchteil der 229 Millionen Tonnen Bauabfälle aus dem Baubereich werden aufbereitet und hochwertig wiedereingesetzt. Bislang bestehen lediglich 13 Prozent der eingesetzten Baustoffe aus Recycling-Materialien. Zwar setzen private Bauherrinnen und Bauherren bereits darauf, jedoch wird bei öffentlichen Bauprojekten bislang Zurückhaltung geübt. Es gibt Ressentiments gegenüber Recycling-Baustoffen. Dies liegt hauptsächlich an der fehlenden Geschwindigkeit, bestehende Abläufe zu ändern und Ausschreibungen anzupassen.
Qualitätssicherung für RC-Baustoffe

Geltende Vorgaben für den Bausektor stehen in der Ersatzbaustoffverordnung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
Sie trat am 1. August 2023 in Kraft, regelt deutschlandweit die Verwertung mineralischer Ersatzbaustoffe in technischen Bauwerken und stellt einen hohen Standard im Umweltschutz sicher. Sie legt Anforderungen an die Herstellung und den Einbau mineralischer Baustoffe fest, die aus Recyclingmaterial, Nebenprodukten oder Abfällen gewonnen wurden.
Die Aufbereitung mineralischer Ersatzbaustoffe ist mit einer festgelegten Güteüberwachung durch akkreditierte Überwachungs- und Untersuchungsstellen verbunden. Die Verordnung gibt Schadstoffgrenzwerte und Einbauweisen vor, die nach örtlichen Gegebenheiten zu beachten sind. Sie richtet sich im Baubereich an Bauherren, Architekten, Planungsbüros, Gutachter, Sachverständige und Akkreditierungsstellen.


Neben dem Baustoff-Recycling stellt auch die Wiederverwendung von Materialien oder Bauteilen einen wichtigen Bestandteil des nachhaltigen Bauens und der Kreislaufwirtschaft dar. Auch dadurch können Rohstoffe, Energie und CO2-Emissionen eingespart werden. Bauteile und Materialien aus bestehenden oder rückgebauten Gebäuden werden aufbereitet und direkt in ihrer ursprünglichen oder einer neuen Funktion weiterverwendet. Die Lebenszyklusanalyse (LCA) zeigt: Gebrauchte oder sogar historische Baustoffe können die Umweltwirkungen eines Bauprojekts reduzieren und dazu beitragen, den Lebenszyklus von Materialien deutlich zu verlängern.